Kurzgeschichten eines Weltreisenden (Episode 1)

Aus dem Tagebuch des Franz A. Müller, Gas Wasser Installateur aus Köln Chorweiler

Peter rotiert wie ein Weltmeister. „Da ist noch jemand hinten drin“ – und weg ist er. Er ist ein vorbildlicher Kapitän. Nach dem nicht zu lokalisierenden technischen Defekt war die Maschine weggesackt. Kurz vor der Wasseroberfläche konnte er sie wieder abfangen. Dann hat er wie ein Berserker über eine Stunde gekämpft um sie wieder hochzukriegen berichtete später der Copilot Frank, Frank aus Wiesbaden.

Schließlich entschied Peter die Boing bei der vor uns aufgetauchten Inselgruppe not zuzuwassern. Etwa 100 Meter vor der mittleren Insel war dann schließlich Endstation. Was für ein Teufelskerl!

Nachdem die meisten Passagiere selber rauskonnten hat Peter die anderen selber rausgeholt. Ich habe sie dann an der Tür über der Tragfläche entgegengenommen und ins Wasser befördert. Die beiden Stewardessen hatten dem etwas derangierten Frank geholfen ans Ufer zu schwimmen.

Plötzlich kommt Bewegung ins Flugzeug – die Spitze sackt jetzt schnell weg und ich stehe schon bis zu den Knöcheln im Wasser. Wo bleibt Peter? Da ist er endlich. Im Schlepptau hat er eine unverletzte Mittvierzigerin die unentwegt zetert. Ich spüre gleich ein Kribbeln hinterm Ohr. „Das wird ein Nachspiel haben“ poltert sie. „Ich halte Sie fest meine Dame!“ nehme ich sie entgegen. „Vorsicht rutschig“ und ich bugsiere sie schwupps ins Wasser. „Beeilen Sie sich!“ donner ich Ihr entgegen als sie wieder auftaucht und sich empören will „schnell zum Ufer – die Haie…!“. Aha – jetzt kommt doch Bewegung in Frau Madame – Leute gibt’s…

„Ich muss nochmal zurück!“ fiebert Peter. „Nein zu gefährlich!“ versuche ich ihn zurückzuziehen. Oha – offensichtlich hat auch er ein Limit. „Ich muss noch …“ er versucht sich freizumachen, der Kerl hat immer noch Bärenkräfte „…kontrollieren…“. „Was ist …“ erschrocken reiße ich die Augen auf und starre nach oben. Als er konsterniert meinem Blick folgt donner ich ihm meine Linke unters Kinn – zack ist das Licht aus. Nun kann ich ihn problemlos zum Ufer schleppen. Kaum sind wir ein paar Meter geschwommen ist die Boing komplett weggesackt.

Das ist jetzt 3 Tage her und noch kein Suchtrupp in Sicht – offensichtlich hat uns die Stunde Rum-Eierei vor der Notwasserung doch weiter vom Kurs abgebracht als vermutet. Kaum hatte unsere zeternde Oberschwester Hildegard wieder festen Boden unter den Füßen erquickt sie die eh schon angeschlagenen Fluggäste mit nicht enden wollenden Tiraden wen sie wie verklagen wird. Ob ich ihr auch mal eine Auszeit verpassen soll? – ich verwerfe den Gedanken schnell wieder. 

Nachdem ich heute Morgen wieder ausreichend Fische für die Passagiere mit Hilfe meines Überlebenssets gefangen hatte sitze ich nun in einer abseits gelegenen Bucht und sinniere vor mich hin. Das Überlebensset im abschraubbaren Messergriff, Feuerstein, Haken und Angelschnur, ein kleiner Bleistift, Papier (wofür ist denn das Papier eigentlich da?), habe ich immer in der Hosentasche – ist bei der Bordkontrolle am Flughafen kein Problem. Nur Schade, dass die Klinge mit dem Flugzeug im Hauptgepäck abgesoffen ist. Das war so eine Klinge mit Säge am Rücken (fast so wie das Messer von Rambo – vielleicht etwas kleiner …)

Da kommt von rechts eine Schwimmerin in mein Blickfeld. Sie hält dann auf mich zu und steigt vor mir aus dem Wasser. Sie trägt rote Shorts, auf Ihrem weißen durchnässten T-Shirt steht „Ich bin eine Biene“. Am linken Knöchel trägt sie ein silbernes Kettchen mit einem roten Anhänger. Farbwiederholung denke ich. „Hi, ich bin Sandy…“ langsam sehe ich an ihr hoch. „Natürlich bist du das…“

Josef A. Jünger 01.07.2021

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